Nasskollodium im Äther

Hier ist ein ganz schön langes Interview mit mir, das kürzlich auf der unabhängigen und äußerst unterstützenswerten Lokalradiostation Radio Z lief.

Danke an die charmant fränkelnden Moderatoren Andreas und  Christian des Metropolregion-Magazins Schniggschnagg, die ich dann gleich mal zu Demonstrationszwecken portraitiert habe.
Andreas und Christian

 

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Demonstration im Museum Industriekultur

Ist schon ein paar Monde her, interessiert aber vielleicht doch jemanden: Begleitend zur Ausstellung „Ein Gramm Licht.  Alte Verfahren in jungen fotografischen Bildern“ im Museum Industriekultur in Nürnberg fanden auch ein paar Demonstrationen und Workshops in historischen Techniken statt.
Zweimal durfte ich mein Laborzelt im Museum aufschlagen und Nasskollodium-Positive herstellen.

Danke an Markus Drischel für die Fotos und Videos und an Bonnie für’s Assistieren.

 

Die Platte mit Kollodium begießen

 

 

Fixieren

 

Firnis auftragen

 

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…wir treten soeben mit einem neuen photographischen Objektiv an die Öffentlichkeit…

So sah der Press-Release von Zeiss 1903 aus, direkt übernommen in der Photographischen Korrespondenz aus Wien (zur besseren Lesbarkeit auf eine Seite montiert).
tessar_press release
Erstaunlich: Das Tessar gab es zunächst nur in 1:6,3 und von Anfang an als Apo für Reprozwecke und Farbauszüge.
Außerdem weist die Werbeschrift auf die geringe Fokusdifferenz bei verschiedenen Blenden hin und lobt die Kompendiosität des Objektivs – wieder so ein schönes, altes Fotowort: Gemeint ist die kompakte Bauart.

 

 

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Cadmiumfreies Kollodium: Lithium?

Andreas Reh, Kollodonist aus Gießen beschäftigt sich mit einem Thema, das auch mich immer wieder umtreibt:

Wie bekomme ich  giftige, gefährliche und umweltschädliche Substanzen aus dem Prozess?

Dazu zählen auf jeden Fall Cadmiumbromid, respektive Cadmiumiodid, die in vielen Rezepten für jodiertes Kollodium enthalten sind. Bezeichnenderweise ging es schon in meinem allerersten Beitrag für diesen Blog um cadmiumfreies Kollodium.
Cadmium ist stark Krebs erregend. Deshalb sollte man es nur mit besonderer Umsicht (FFP-2 Staubmaske, Brille, Handschuhe, nicht kleckern!) benutzen – oder am besten eben gar nicht.

Als erstes experimentierte ich darum mit einem (selbsterfundenem) Kaliumbromid/Ammoniumiodid-Gebräu, das erstaunlich schnell war. Allerdings ist vor allem das Ammoniumiodid ziemlich unbeständig. Davon hatte ich damals keine Ahnung,  es hat aber erstaunlicherweise funktioniert.

Bald bin ich dann auf die  Poor Boy genannte Kaliumiodid/Kaliumbromid-Formel gekommen. Relativ ungiftig. Das cadmiumfreie Kollodium löst sich allerdings etwas leichter vom Glas und ist auch in der Haltbarkeit weit wenig stabiler als Kollodium mit Cadmium.
Kaliumbromid ist außerdem unlöslich in Alkohol und gibt gerne einen etwas nervigen weißen Niederschlag, der besonders vorsichtiges Dekantieren erfordert. Cadmium hingegen fördert die Löslichkeit von Kaliumsalzen im Kollodium. Außerdem macht es das Kollodium zäher, was manche mögen.

Haltbarkeit ist ein gewichtiges Thema, weil die stabileren Mischungen konsistenteres Arbeiten erlauben.
Denn Kollodium altert – oder schöner gesagt: es reift – darum sollte man bei nicht so beständigen Rezepturen immer mal wieder frisch ansetzen und nachgießen.

Ich mache also ein Cuvee, wie Cognac-Brenner, Champagner-Kellermeister oder Köche ewiger Eintöpfe und orientiere mich da durchaus an der Farbe. Zum durch die Iod-Zersetzung rötlich gewordenen Poor Boy gieße ich soviel klares Kollodium, bis es wieder  hellorange ist. Ein hemdsärmeliges Verfahren, das aber relativ gut funktioniert. 

Der häufige Ansatz kleinerer und deshalb weniger genau abgewogener Mengen kann allerdings auch ganz schöne Schwankungen bewirken…
Cadmium-Kollodium dagegen kann man in größeren Mengen ansetzen, es bleibt sehr lange klar. Rekordhalter soll laut Eders Handbuch der Fotografie (S. 215, Band 2, Halle, 1897) H. W. Vogels „Aequivalent-Collodion“  sein. Es besteht nur aus Cadmiumbromid und Cadmiumiodid und soll jahrelang haltbar sein.

Die Haltbarkeit war der Grund, warum ich dann doch mal Cadmiumsalze geordert habe. Bei Anfänger-Workshops bleiben die allerdings im Giftschrank.

Bei der Lichtempfindlichkeit ist Cadmium dagegen ziemlich lahm. In  Kombination mit Ammonium wird es aber empfindlicher. So eine Rezeptur ist z.B. „Quick Clear-Collodion“.

Am empfindlichsten soll laut Eder übrigens Strontium-Kollodium sein. Das gar nicht mal so giftige  Strontium wird auch von Paul Liesegang empfohlen – allerdings  in Kombination mit Cadmiumsalzen.

Andreas Reh hat jetzt Lithium eingesetzt, um das giftige Cadmium zu substituieren.

Lithium wird im Kollodiumverfahren schon seit den 1860ern benutzt und man findet immer mal wieder einen Autor in der Fachliteratur des 19. Jahrhunderts, der ein Kollodium mit Lithium auf Lager hat. Für bestimmte Einsatzzwecke  (Kinder, Tiere, Momentaufnahmen) wurde es als „Rapidcollodion“ anscheinend  durchaus benutzt. (s. Rezept). Durch einen hohen Iodanteil und  die Kombi mit Ammonium sollte es  ziemlich rasant sein.

Andreas hat das cadmiumfreie „Reh’s New Generation“ zusammen mit Chemikern der Justus-Liebig-Universität entwickelt.  Wie er festgestellt hat, ist sein Lithium-Kollodium 40% empfindlicher als die Rezeptur mit Cadmiumbromid. Dankenswerterweise hat er das Rezept auf seinem Blog geteilt, ich will es hier nicht einfach ohne Erlaubnis abtippen.

„Reh’s New Generation Collodion“ enthält neben Kaliumiodid und Ammoniumiodid das  Lithiumbromid als Ersatz für Cadmiumbromid.

Der Meister Eder schreibt viel Gutes über Lithium, aber auch den Grund, warum es selten benutzt wird:

Der hohe Preis der Lithiumsalze und die verhältnismäßig geringe Haltbarkeit derselben ist die Veranlassung, dass dieselben nur in sehr geringem Maße verwendet werden.

Dass es teurer ist, juckt heute wohl niemanden: 100g kosten €30.
Aber die Haltbarkeit…?? Also doch back to square one?

Die Positive, die er damit gemacht hat sehen jedenfalls bombe aus,  sehr schöne Halbtöne. Die gesteigerte Empfindlichkeit ist ebenfalls ein großes Plus. Ich bin gespannt, wie die Haltbarkeit aussieht. 

Eine Möglichkeit wäre, die Iodierungslösung aus Salzen und Alkohol in größeren Mengen zu mischen und dann in kleineren Teilmengen mit Kollodium zu mischen.

Sollte ich vielleicht mal ausprobieren. Oder gleich Strontium? Oder das Strontium-Rezept mit Lithium tunen? Oder vielleicht einfach fotografieren? Ach ja, vita brevis, ars longa. Schöne Scheiße. 

Update:
Andreas schreibt, dass die Haltbarkeit seiner Mischung sehr gut sein soll. Bisher (3 Monate) ist es wohl so beständig wie Quick Clear Collodium (Ammoniumiodid/Cadmiumbromid).
Das eingesetzte Lithiumbromid ist wohl bei weitem nicht so instabil wie das Lithiumiodid, allerdings auch sehr hydroskopisch. Also immer schön Silikagel in den Giftschrank legen!

Rezepte:

Vogels Aequivalent-Collodion (für Negative) 

1 g Cadmiumbromid
5 g Cadmiumiodid
in 90ml Ethanol lösen
270 ml Kollodium 2% zugeben

 Liesegangs Strontium-Collodium (für Negative)

10 g Strontiumiodid
1,8 g Cadmiumbromid
in 200ml Ethanol lösen und filtern
600ml Kollodium 3% zugeben

Meister Eders Lithium-„Rapidcollodion“ (für Negative)

6 g Lithiumiodid
3 g Ammoniumiodid
1,2 g Ammoniumbromid
in 175ml Ethanol lösen
525 ml Kollodium 2% zugeben

Das Rezept für Andreas Rehs Kollodium findet man auf seinem Blog: http://kollodium.blogspot.de/

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Bilderrätsel: Was ist das?

Es gibt sie noch, die guten Dinge. Ich konnte eine nette kleine, ca. 100 Jahre alte  Amateurausrüstung auf ebay erstehen, für wenig Geld dazu. Enthalten waren eine einfache 13×18 Holzkamera, Filmhalter, eine ganze Reihe Kontaktkopierrähmchen (in einem war sogar noch ein Glasnegativ, vielleicht aus den 20er Jahren). Außerdem Schalen aus lackierter Pappe, Glas und Porzellan, sowie dieser mysteriöse Glasstab:
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Weiß irgendjemand, was das ist? Über Hinweise wäre ich sehr dankbar!

Summary:

I recently bought a whole, about 100 year old amateur outfit at ebay. Amongst a 13×18 cm camera, trays and copy frames it contained this glas object – what is it? Can anybody help me? 

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Für die Wissenschaft: Farben und Kollodium

Wie stellt Kollodium Farben dar?
Guckstdu! Besonders interessant natürlich: Hauttöne, erstaunlich, wie ein leichter Teint extrem anders belichtet.
Die Platte wurde mit Poor Boy- Kollodium bei ca. 5600K Blitzlicht aufgenommen.
Die Farben des Colorcheckers sind nicht exakt wiedergegeben, aber gut genug für meine Zwecke.

Color Checker
Color Checker
Kollodium (gekontert)
Kollodium (gekontert)
Im Vergleich
Im Vergleich
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DIY Reduziermasken de luxe – danke, FabLab!

Ich muss ein paar Aufnahmen in „echtem“ 10×15 Format aufnehmen, also deutlich größer, als die etwas weniger als 4×5″ meiner von Niles Lund modifizierten Lisco/Fidelity- Doppelkassetten. Außerdem würde ich auch gerne mal mit der Sinar 13×18 machen, ohne mir gleich ein neues Rückteil kaufen zu müssen.
Die einfachste Möglichkeit: Reduziermasken zum Einlegen in die 8×10″-Kassette.
So hat man das übrigens auch im 19. Jahrhundert gelöst.

In Illustrator hab ich die Teile gezeichnet und bin dann damit rüber auf AEG zu unseren tollen Freunden im wunderbaren FabLab. Dort ist Freitag und Samstag offene Werkstatt für Jedermann. Und die haben einen Laserplotter (nennt man das so?), jawoll!

Der Chris vom FabLab war so nett, meinen dilettantischen Entwurf zu perfektionieren – und dann durfte mir das der Laser aus Nikolaus-rotem 3mm Acryl ausschneiden, hat für beide Teile keine fünf Minuten gedauert. Sogar kleine Gravuren haben sie mit drauf gemacht!
Dann nur noch Silberdraht durch die perfekt gelaserten Löcher gezogen und voilà: die DIY Reduziermaske de luxe, für quasi gratis…

Vielleicht habt ihr auch ein FabLab in eurer Stadt. Geht da unbedingt mal hin! Schneidet euch nicht zuhause in die Finger, sondern teilt eure Ideen und Projekte mit anderen Bastlern und nutzt die großartigen Möglichkeiten, die es dort gibt: Laser, CNC-Maschinen, 3-D-Drucker, Näh- und Stickmaschinen und so weiter.
Ganz ehrlich: so ähnlich hab ich mir das 21. Jahrhundert vorgestellt!

Reduziermaske
13×18
Reduziermaske
10×15
Reduziermaske
Das fertige Ding

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Der goldene Schuss

Kollodiumfotografie kann süchtig machen, das ist kein Geheimnis. Passend wirkt da dieses Entwicklerrezept mit Heroin (aus Paul Liesegang, Die Collodion Verfahren, 1884).
Nach meinem ergoogeltem Halbwissen ist das essigsaure Morphin nichts anderes als Morphin-Acteat, von Bayer ab 1898 als Hustensaft vermarktet und ob seiner “heroischen” Wirkung Heroin genannt. Ziemlich teurer Entwickler, schätz ich und mit Bezugsquellen dürfte es auch schwierig werden. War damals offensichtlich kein Problem.
Ach du glückliches 19. Jahrhundert und dein hemdsärmeliges Herumhantieren mit Gefahrstoffen!
Kollodiumjunkies, denen das Herumspritzen mit Silbernitrat, Einatmen von Cadmiumstaub und das Fixieren in größeren Mengen Zyankali nicht genug ist, sei diese “reine und brilliante” Rezeptur ans Herz gelegt.
Morphinentwickler

 

Summary:
Oh happy 19th century and thy indefferent use of toxic substances! Here’s a collodion developer with morphene from Paul Liesegang’s book. 

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Mysterium Salzpapier

<langweilige Vorrede> 

Borut Peterlin war kürzlich mal zu Besuch bei mir. Ein super Typ und kompetenter Fotograf, der wie ich hoffnungslos den archaischen Techniken des 19. Jahrhunderts verfallen ist. Als Geschenk hat er mir einen sehr schönen, „dreckigen“ Salzpapier-Abzug mitgebracht.

Ich experimentiere schon länger mit antiken Verfahren, um Kollodium-Negative auf Papier zu bringen und meine ersten Versuche mit Albumin haben mich wenig begeistert.
Nicht zuletzt bin ich schon auch ein fauler Fotograf und Albumin ist äußerst mühselig – nicht dass die Techniken, die ich praktiziere das nicht wären, aber für mich zu dem Zeitpunkt grade zu mühselig.
Leute wie Borut und ich haben halt das Problem überschäumenden Interesses und man sollte nicht zu viele Fässer auf einmal aufmachen. Ich wollte mich lieber mal auf andere Aspekte und Probleme des Nassplattenkollodium-Verfahrens konzentrieren.
Zwischendurch hab ich mir sogar  das völlig überflüssige Quinn Jacobson Buch „Chemical Pictures“ gekauft – wenn ich Zeit habe, veröffentliche ich gerne mal eine Verriss, dieses lieblos zusammengeschusterten Machwerks. Keine Ahnung, was ihn da geritten hat, sein Nasskollodium-Buch ist wirklich amtlich – aber das? Er verschont den Leser nicht mit Gejammer, wie schwierig und zeitaufwändig das alles ist, wohl aber vergisst(?) er z.B.  zu erwähnen, dass Salzpapier nicht nur gesalzen, sondern auch mit Silbernitrat sensibilisiert werden muss. Wirklich! 

Ein paar gute Anleitungen und Rezepte für dieses gar nicht so schwierige Verfahren findet man (kompetent, komplett, kostenlos und in englischer Sprache) zum Beispiel auf http://www.alternativephotography.com/
oder im Kapitel über POP (Prining Out Paper) im Darkroom Cookbook von Steve Anchell.

Oder –  auf deutsch – hier…
Wer Erfahrung mit alten Verfahren hat, wird sich damit nicht sonderlich schwer tun! 

</langweilige Vorrede>

Langweilige Rede, kurzer Sinn, Salzpapier lässt sich recht einfach herstellen und es funktioniert so:

1. Papier  bei Tageslicht mit einer 2-4%-igen Salzösung beschichten. Entweder (reines) Kochsalz, also Natriumchlorid oder auch Ammoniumchlorid.
Weitere Zusätze geben mehr Kontrolle, sind aber nicht nötig.

2. Bei Schutzlicht mit einer (12%-igen) Silbernitratlösung beschichten, womöglich zweimal.

3. Trocknen lassen.

4. In den Kopierrahmen,  Negativ drauf, in der Sonne auskopieren.

5. Vorwässern, Fixieren, Auswässern.

 

 

 

 

 

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