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Verdrehte Skalen Teil 2

Dann hab ich da noch ein 300er Zeiss Tessar, etwa 100 Jahre alt.

Ein Carl Zeiss Tessar 300mm, f=4,5 um 1905
Ein Carl Zeiss Tessar 300mm, f=4,5, ca.1911

Ich muss gestehen, dass es einige Monate gedauert hat, bis ich es bemerkt habe, weil ich es nicht oft und immer nur für Portraits ganz offen benutzt habe.
(Dafür ist es übrigens hervorragend geeignet. Ich mag vor allem den leichten Tele-Look wenn man  damit 4×5″ fotografiert. Aber das ist eine andere Geschichte…)

Als ich mal abblendete und mir die Blende notieren wollte (was selten genug passiert), war ich irritiert:

Alte Zeiss Blendenskala
Alte Zeiss Blendenskala

Schlecht lesbar, da aus gutem Grund von einem Vorbesitzer irgendwann einmal überklebt steht da
3 – 4 – 6 – 8 – 12 – 17 – 24 – 34 – 48
Die Blendenzahlen folgen also einer anderen Skala, was bei alten Objektiven ja durchaus vorkommt. Zum Beispiel gibt’s bei alten Leitz-Optken keine Anfangsöffnung 1:1,4 sondern 1:1,5. Ähnlich wie bei den Zeiten, da gibt es auf alten Verschlüssen ja auch i.d.R. die 1/50 s, 1/100s, etc statt der 60tel und 125tel.

Was an dem Tessar außergewöhnlich ist: die Skala steht auf dem Kopf!

Das heißt, die größte Zahl entspricht der größten Blendenöffnung!

Eigentlich gar keine schlechte Idee, weil es die Verwirrung mit großer und kleiner Blende bzw Blendenzahl löst. Hat sich allerdings nicht durchgesetzt.
Und vorne drauf steht ja trotzdem f=1:4,5

Eine nützliche Tabelle mit verschiedenen Blendensystemen gibt es hier: http://photobutmore.de/vintagephoto/objektive/blenden.html

Demnach würde die Anfangsöffnung von f/4,5 (internationale Skala) f/128 (Zeiss) entsprechen und die kleinste Blende f/3 (Zeiss) ist f/32 (internationale Skala).

Summary:
Some old Zeiss lenses, like this ca. 1911 Tessar sport an upside-down aperture scale, starting with the highest number at full aperture. 

Kollodium und Studioblitz – unglaublich!

Collodion and studio flash – incredible! There is an English summary of this article at the bottom of the page.

Ich wollte mal ausprobieren, wie scharf Ambrotypien wirklich sind. Bei den üblichen langen Belichtungszeiten kommt immer ein klein bisschen Bewegung rein, mutmaße ich. Also hab ich geblitzt. Das Resultat hat mich echt umgeblasen! Ich bin hartgesottener Fotograf, der das Handwerk in  analogen Großformat-Zeiten gelernt hat, aber sowas scharfes hab ich noch nie gesehen!!

Es war nach einem Gespräch mit einer Visagistin, die einen Test mit mir machen will. Ich schlug ihr vor, Ambrotypien für die Beauty-Strecke zu machen. Da meinte sie:

„Sind das nicht diese unscharfen, schradelligen Bilder, die du mir mal gezeigt hast?“

Das ist gar nicht mal so daneben, wenn man, wie bereits passiert, ein Portrait 40s belichtet.
Dabei sind selbst solche Langzeitbelichtungen noch erstaunlich scharf und Stills ja eh. Unglaublich scharf sogar sind die.

Darum das Experiment, mal auszuloten, wie scharf ein Kollodium-Portrait sein kann.

Die  Brons waren auf Anschlag gedreht, ich hab aber den Eindruck, dass die Platten bei Blitzbelichtung nicht ganz auf die π mal Daumen geschätzen 1,5 ASA kommen (hatte keine UV-Glocken drauf). Könnte ein (Anti-)Reziprozitäts-Effekt (Kurzzeiteffekt) sein. Aber das Zeug ist ja eh saulangsam.

Hier das ganze Bild:

8×10″ Ambrotypie auf schwarzem Glas, Apo-Sironar-S 240mm, f: 5,6, Blitz

Für die Aufnahme hab ich kein Petzval, etc. benutzt, sondern ein sehr modernes Objektiv, das bestkorrigierte und schärfste, das ich kenne, das 240er APO-Sironar-S von Rodenstock. War im letzten Jahrhundert eines meiner absoluten Lieblingsobjektive.

Was auf der Platte bei Blende 5,6 an Schärfe da ist, liegt weit jenseits von den Schärfekönigen Velvia 50 oder Agfapan 25. Der Scan (Epson V750, ungeschärft) ist zwar beeindruckend, kann das allerdings nicht mal ansatzweise wiedergeben.

Not quite 1.5 ASA with the Brons. 8×10″ Ambrotypie on black glass, Apo-Sironar-S 240mm, f: 5,6, flash, Never seen anything sharper, forget Agfapan 25 and Velvia.